Betriebsmittelkredite: Konkurrenz zur Hausbank aus dem Internet

Markt für digitale Mittelstandsfinanzierung wächst

Über 90 Prozent der Unternehmen setzen zur Finanzierung ihrer Betriebsmittel auf klassische Bankkredite. Die meisten finanzieren rund die Hälfte ihres Bedarfs auf diesem Wege. Dabei sind längst nicht alle zufrieden mit den Geldinstituten. Der Wunsch nach Alternativen wächst, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Digitale Mittelstandsfinanzierung gewinnt an Bedeutung

Für eine Finanzierung von Betriebsmitteln gibt es digitale Alternativen zu klassischen Banken.

Wenn Unternehmen Geld für Betriebsmittel benötigen, dann brauchen sie es in der Regel schnell. Schließlich werden damit vornehmlich Rohstoffe oder Waren für Aufträge finanziert, die sich selten auf so lange Sicht planen lassen wie etwa die Finanzierung von Anlagen. Die Studie „Finanzierungsmonitor 2018“ des digitalen Mittelstandsfinanzierers creditshelf und der TU Darmstadt zeigt, wie sehr für die Unternehmen die Zeit drängt. Ein gutes Drittel der Firmen können bis zu einen Monat auf die Finanzierungszusage warten, ebenso vielen bleiben lediglich zwei Wochen. Noch dringlicher ist die Bankentscheidung für die 15 Prozent, die nicht mehr als eine Woche ausharren können.

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Solche Erwartungen stellen die Hausbanken vor große Herausforderungen. Die Schwierigkeiten sind dabei zum Teil ein hausgemachtes Problem. Bei der Digitalisierung, die zunehmend auch bei komplexe Prüfungen mit intelligenten automatisierten Prozessen abbilden kann, ist das Bankgewerbe nicht unbedingt an vorderster Front. Häufig werden die Geldinstitute von jahrzehntelangem Wildwuchs in der IT gebremst, die erst einmal auf einen einheitlichen Stand gebracht werden müsste. Und das kostet viel Zeit und Geld. Zum anderen sind Banken hochgradig reglementiert. Entsprechend umfangreich und kompliziert gestalten sich die Abwägungen bei der Kreditvergabe.

Wenig Verständnis für Kreditbürokratie

Was aus Bankensicht nötig ist, trifft bei den Unternehmen allerdings nur bedingt auf Verständnis. Vier von zehn Firmen bemängeln übermäßige Bürokratie bei der Betriebsmittelfinanzierung. Fast ein Drittel hadert auch mit der Geschwindigkeit. Gerade dann, wenn es schnell gehen müsste, haben sich Unternehmen mit komplizierten und langwierigen Antrags- und Prüfungsprozeduren auseinandersetzen. Mitunter steht dabei viel auf dem Spiel. Immerhin benötigen die Firmen das Geld, um bereits eingeplante Umsätze erst generieren zu können. Und der Lohn der Mühen? Am Ende nicht unbedingt ein günstiger Kredit, denn immerhin kritisieren deutlich mehr als ein Drittel der Firmen auch die hohen Kosten.

Besonders teuer werden für Unternehmen unbesicherte Betriebsmittelkredite, 68 Prozent verzichten daher lieber ganz auf diese Finanzierungsform. Den meisten Betrieben wären sie ohnehin schon von Anbieterseite verwehrt, die Geldgeber bestehen auf Sicherheiten. Das schränkt den Handlungsspielraum von Unternehmen ein, gerade wenn aktuell etwa Anlageinvestitionen mit dinglichen Sicherheiten unterlegt sind. Bahnt sich dann ein größeres Geschäft an, kommen Firmen in der Vorfinanzierung in große Schwierigkeiten. Allein aus dem Cash Flow lassen sich solche Ausgaben häufig nicht stemmen, die meisten Firmen schaffen das höchstens zu 50 Prozent.

Finanzierungsmonopol der Hausbank fällt

Sicherheiten sind das eine, doch Banken verzichten schlichtweg auf gute Geschäfte, wenn sie Betriebsmittelfinanzierung derart schwierig gestalten. Im Regelfall handelt es sich um Kredite mit vergleichsweise kurzer Laufzeit und geringerem Ausfallrisiko. Unternehmen sind durchaus bereit, für solche unbesicherten Finanzierungen etwas tiefer in die Tasche zu greifen. Moderat höhere Zinsen wären für fast zwei Drittel kein Problem. Doch eben das bieten ihnen die Geldinstitute offenbar nicht.

Das allerdings könnte sich letztlich zu deren Nachteil entwickeln. Die Zeiten, in denen Firmen in Finanzierungsfragen ausschließlich auf Banken angewiesen sind, neigt sich dem Ende zu. Sicher, gerade im mittelständischen Bereich besteht in vielen Fällen ein echtes Vertrauensverhältnis zur Hausbank, das mitunter über Jahrzehnte gewachsen ist. Doch was bleibt Unternehmen übrig, wenn sie dringend benötigte Kredite nur unter den genannten Schwierigkeiten bekommen können, wenn überhaupt? Zumal die Mehrheit für die nahe Zukunft laut dem „Finanzierungsmonitor 2018“noch restriktivere Vergabekriterien erwartet.

Hoffnung auf unbürokratische Online-Plattformen

Man schaut sich also nach Alternativen um. Und findet sie in der digitalen Welt. Schon jetzt könnten sich acht von zehn Firmen vorstellen, für ihre Betriebsmittelkredite Online-Finanzierungsplattformen in Anspruch zu nehmen. Vorausgesetzt, das Verfahren läuft dort unkomplizierter ab als bei der Hausbank. Ein weiteres starkes Argument für solche Angebote wäre eine schnellere Kreditentscheidung, die Online-Finanzierung für 56 Prozent der Unternehmen attraktiv machen könnte. Auch die Möglichkeit, den Finanzierungsmix um eine weitere Alternative zu erweitern und damit ein Stück Unabhängigkeit von der Hausbank zu gewinnen, reizt mehr als 40 Prozent der Unternehmen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund großer Zinslasten beim Kontokorrentkredit. Für vier von zehn Firmen ist auch der Zugang zu unbesicherten Krediten Motivation, sich mit der Online-Finanzierung intensiver zu beschäftigen.

Das alles sind Zahlen, die Banken aufhorchen lassen sollten. Zumal für die FinTechs noch großes Potenzial zu erschließen ist. So erklimmen immer mehr junge Führungskräfte die betrieblichen Hierarchieleitern, für die rein digitale Produkte und Kanäle eine Selbstverständlichkeit darstellen. Entsprechend dürfte das Interesse an der Online-Finanzierung weiter rasant ansteigen. Wie lange Hausbanken vor diesem Hintergrund noch mit dem Bonus gewachsenen Vertrauens punkten können, bleibt ungewiss. Mit den Steinen, die sie Unternehmen bei der Betriebsmittelfinanzierung offenbar in den Weg legen, empfehlen sie sich jedenfalls nicht für die Zukunft.

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Über den Autor

Dr. Daniel Bartsch

Dr. Daniel Bartsch ist Gründungspartner und Geschäftsführer des digitalen Mittelstandsfinanzierers creditshelf und verantwortet dort das operative Geschäft. Zuvor war er für die UBS in leitender Funktion tätig und steuerte den institutionellen Vertrieb von Anleihe- und Aktienprodukten. Berufliche Stationen führten ihn nach Zürich und Singapur. Er hat einen Abschluss als Diplom-Kaufmann der Universität Mannheim und promovierte an der Universität Düsseldorf.

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