Der menschliche Vorteil – Bankkarrieren der Zukunft

Welche Arbeit bleibt nach der Digitalisierung noch übrig?

Im Zuge der digitalen Transformation verändert sich die Arbeitswelt. Maschinen nehmen uns zukünftig die Arbeit weg. Welche Tätigkeiten werden Menschen in Banken noch übernehmen können und welche Fähigkeiten werden sie dafür benötigen? 

Digitalisierung, Arbeit und Karriere im Banking

Welche Perspektiven bieten sich zukünftig für Arbeit und Karriere im Banking?

Die Digitalisierung verändert unsere Lebens- und Arbeitswelt massiv und diese Veränderung ist keine sanfte digitale Transformation, sondern eine Disruption. In meinem Beitrag „50 Prozent der Bankarbeitsplätze in Deutschland werden wegfallen“ habe ich aufgezeigt, welche noch von Menschen ausgeführte Jobs in Banken besonders gefährdet sind, weil sie von Maschinen schneller, billiger und besser erledigt werden. Kann man Ihre Tätigkeit in einem Organisationshandbuch detailliert beschreiben, sollten Sie sich Sorgen machen. Erfordert Ihre Arbeit Kreativität, Empathie und lässt sich nicht routiniert einfach abspulen, sind Sie momentan noch auf der sicheren Seite.

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Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsplätze

Verschiedene Studien prognostizieren die Anzahl der Arbeitsplätze, die durch die Digitalisierung verloren gehen, nennen die aktuellen Jobs, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit automatisiert werden und weisen auf die typisch menschlichen Fähigkeiten hin, die (noch) nicht von Maschinen übernommen werden können. Aber welche Tätigkeiten werden zukünftig noch von Menschen durchgeführt? Die Beantwortung dieser Frage ist deshalb so schwierig, weil viele der zukünftigen Jobs noch gar nicht existieren. Exponentielles Denken fällt Menschen schwer und mit linearem Denken kommt man an dieser Stelle nicht weiter. Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass man ? Was erwartet Sie (oder Ihre Kinder), wenn Sie in der Finanzdienstleistungsbranche arbeiten möchten? Welche Jobs bleiben übrig, welche Fähigkeiten werden benötigt?

Sechs neue Jobtitel und Tätigkeiten für Banker

Gerade hat die britische Großbank HSBC im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie 17 Milliarden US-Dollar für die Digitalisierung bereitgestellt und stellt über 1000 Mitarbeiter dafür ein. Die gute Nachricht: HSBC geht nicht davon aus, dass Künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz vollständig ersetzen wird. Eine Kombination aus Technologie zusammen mit den menschlichen Begabungen führe zu den besten Ergebnissen. Als wichtigste menschliche Fähigkeiten nennt HSBC Neugierde, Kreativität und Kommunikation. Leider würden diese Eigenschaften in Schulen und Hochschulen noch nicht unterrichtet, Unternehmen sollten daher ihre Mitarbeiter selbst entsprechend weiterbilden.

Für die digitalisierte Finanzdienstleistungsindustrie hat , für die Banken zukünftig Mitarbeiter mit den entsprechenden Kenntnissen benötigen:

  1. Mixed Reality Experience Designer
  2. Algorithm Mechanic
  3. Digital Process Engineer
  4. Conversational Interface Designer
  5. Universal Service Advisor
  6. Partnership Gateway Enabler

Diese von HSBC identifizierten zukünftigen Aufgaben von Mitarbeitern seien nicht nur für das Retailbanking, sondern weit über die Finanzbranche hinaus anwendbar.

1. Mixed Reality Experience Designer

Zukünftig sei Mixed oder Augmented Reality der primäre Zugang in die digitale Welt. Über die reale Welt wird eine digitale Schicht gelegt, die verschiedenste digitale Objekte wirklich erscheinen lässt. Um diese komplexen, dreidimensionalen Schnittstellen intuitiv bedienbar zu machen, benötige man Kenntnisse in Design, Markenführung und User Experience, d.h. die Gestaltung einer positiven und reibungslosen Nutzererfahrung.

2. Algorithm Mechanic

Immer mehr Entscheidungen würden von Algorithmen getroffen, die in einer sich schnell verändernden Umgebung mit Gesetzesänderungen, neuen Informationen und Produkten agieren. Sie müssten daher ständig angepasst werden, um Nutzererfahrung und auch Profite zu optimieren. HSBC prognostiziert für diesen Bereich eine low code-Umgebung, so dass nicht etwa Programmierkenntnisse, sondern Kenntnisse in Risikomanagement, Service Design und Finanzen wichtig seien.

3. Digital Process Engineer

Viele Kundeninteraktionen folgen einem standardisierten Workflow, der Sicherheit und regulatorische Anforderungen mit einer leichten Bedienbarkeit verbinden soll. Diese Prozesse werden in ihrer Anzahl und Komplexität zunehmen. Sie müssen deshalb laufend angepasst und optimiert werden, um Reibungsverluste zu verringern und den Datendurchlauf zu erhöhen.

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Als Digital Process Engineer müsse man umfangreiche, miteinander verbundene Workflows verstehen, Probleme erkennen und kreativ Lösungen testen und implementieren.

4. Conversational Interface Designer

Die Interaktion mit Maschinen werde immer „menschlicher“. Statt über komplizierten Code zu interagieren spricht man mit Computern. Um die Nutzererfahrung bei Sprachsteuerung und textbasierten Chat Bots zu verbessern, benötige man gutes Conversational Interface Design, das eine natürliche, reibungslose Kommunikation von Menschen mit Maschinen ermöglicht. Dazu benötigen Mitarbeiter eine Mischung aus kreativen, linguistischen und anthropologischen Kenntnissen.

5. Universal Service Advisor

Die Unterscheidung zwischen physisch und digital werde zunehmend verschwinden. Den Kunden müsse jederzeit Unterstützung gewährt werden – sei es in einer Filiale, über eine Chat App, telefonisch oder in einer Augmented oder Virtual Reality. Mitarbeiter sollten daher zwischen allen genannten Umgebungen – physisch und digital – wechseln können und die Kunden jederzeit unterstützen. Zukünftige Kundenberater müssen sich in ihrem Fachgebiet und mit den Produkten auskennen sowie zusätzlich über Empathie und hervorragende Kommunikationsfähigkeiten verfügen.

6. Partnership Gateway Enabler

In der sich immer stärker vernetzenden Geschäftswelt müssten die digitalen Beziehungen ausgehandelt, aufrechterhalten und überwacht werden. Geld und Kundendaten fließen zwischen verschiedenen Institutionen hin und her, so dass die Verwendung der Daten und das Verhalten der Partner und die Compliance überwacht werden müsse. Dazu benötigen Gateway Controller technisches Wissen über die digitalen Schnittstellen, Kenntnisse im Risikomanagement sowie gute Kommunikationsfähigkeiten.

Zukunft der Arbeit und des Bankings

Diese Aufstellung ist, laut HSBC, ein Versuch, die für die Zukunft wichtigen Fähigkeiten und Aufgaben zu beschreiben – insbesondere für das Retailbanking, aber auch darüber hinaus. Wie die Zukunft der Arbeit und des Bankings tatsächlich aussehen wird, lässt sich leider kaum vorhersagen. Die einzigartigen menschlichen Fähigkeiten würden bei zunehmender Automatisierung in ihrem Wert steigen. Auch technische Kenntnisse, bei denen bereits heute Fachkräftemangel herrsche, würden zukünftig verstärkt benötigt.

HSBC fordert lebenslanges Lernen ein, sieht dabei aber nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Sie spielten eine große Rolle bei der Entwicklung der Arbeitskräfte der Zukunft.

Die prognostizierten Jobs haben tatsächlich nur sehr wenig mit den momentanen menschlichen Tätigkeiten in Kreditinstituten zu tun. Auch die heute noch notwendigen Kenntnisse im Finanzwesen scheinen für die Banker der Zukunft kaum eine Rolle zu spielen. Irgendjemand muss den Programmierern doch erklären, wie der Algorithmus funktionieren soll?

Möglicherweise bin ich etwas altmodisch, aber meiner Meinung nach sollten die verbliebenen menschlichen Banker zumindest grundsätzlich verstehen, wie der Computer zu seinem Ergebnis kommt. Das scheint jedoch schon jetzt überholt zu sein. Lassen Sie sich doch einmal von ihrem Firmenkundenberater ihr Ratingergebnis genau erläutern – ich freue mich auf Erfahrungsberichte in den Kommentaren.

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Über den Autor

Prof. Dr. Andreas Buschmeier

Andreas Buschmeier ist promovierter Volkswirt und Professor an der BA Fulda. Neben seiner Tätigkeit als Studienleiter berät er mittelständische Unternehmen in ihrer Kommunikation mit Kapitalgebern. Banken unterstützt er in Fragen zu Geschäftsmodellen und Digitalisierung. In seinem Buch „Ratingagenturen – Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt“ hat er ein eigenes Ratingmodell entwickelt und dies Politik und Aufsichtsbehörden vorgestellt. Zusätzlich veröffentlichte er diverse Buchbeiträge und Zeitschriftenartikel. Erfahrungen im Bankgeschäft sammelt er seit 1990, als Hochschuldozent ist er seit 2003 tätig.

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