Science Fiction als Hebel für Innovationen

Was wir von Star Trek & Co. lernen können

Technologien von heute bestimmen unsere Zukunft. Science Fiction, z.B. aus TV und Kino, vermag Denkanstöße zu dem geben, was in noch fernerer Zukunft auf uns zukommen könnte. Offenheit, Kreativität und Neugierde sind dabei Hebel für echte Innovationsfähigkeit.

Star Trek - Raumschiff Enterprise

Die Fernsehserie Star Trek, Raumschiff Enterprise, lieferte Vorlagen für zahlreiche Innovationen.

Vor einigen Jahren gab es mal eine TV Serie, die auf einem gleichnamigen Roman von Robert J. Sawyer beruhte. Flashforward. Dabei ging es – zusammengefasst – um die Auswirkungen einer kollektiven Ohnmacht, während jener die Menschheit um 6 Monate in ihre Zukunft katapultiert wurde. Nach 137 Sekunden war der Spuk vorbei und die Bevölkerung musste mit den dabei gewonnenen Einblicken zurechtkommen…

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Relativ realitätsfern werden Sie sicherlich denken. Durchaus berechtigt kann ich Ihnen sagen – aber so ist das halt mit Science Fiction. Immer im Grenzbereich zum Denkbaren. Und das macht das Genre als Dehnübung unserer Vorstellungskraft im Kontext von Innovation und Digitalisierung so spannend für uns. Science Fiction ist eine erstklassige Inspirationsquelle. Man muss gar nicht weit überlegen, um zu entdecken, wie viel vorweggenommene Entwicklungen und Wahrheiten die Gattung in sich trägt.

Technologischer Fortschritt, Jahrzehnte voraus

Brauchen Sie Beispiele? Gerne. Da wäre zunächst der absolute Klassiker aller Science Fiction Serien: Star Trek Enterprise. Denken Sie nur einmal an den Communicator, den Captain James T. Kirk stets lässig aufgeklappt nutzte, um mit Scotty im Maschinenraum zu kommunizieren. Recht ähnlich wirkte da doch vor einigen Jahren das Motorola Razr, das it-girl Paris Hilton Jahrzehnte später aus ihrer zog.

Tatsächlich war das Handy (Sic!) von Jim sogar ein wenig weiter entwickelt, da es seinerzeit schon intensiv eine verbesserte Freisprechtechnologie nutzte. Sie erinnern sich sicherlich an den Klapps auf die Brust und schon war man verbunden.

Gleiche Serie, anderes Beispiel: der Replikator.

Wie, Sie kennen den nicht? Den Traum eines jeden Single Haushalts? Vorreiter von Visionen, die die Lebensmittelbranche aktuell in Punkto 3D Druck hat? Auch hier war Star Trek der tatsächlichen Entwicklung voraus. Immerhin konnte man sich vom Replikator bereits in der Zukunftsvision der 60er ein Tiramisu wünschen und bekam dann auch binnen Sekunden einen ansehnlichen Glasbecher kredenzt.

Inspiration durch Utopie und Dystopie

Und eventuell haben Sie 2015 ja mitbekommen, dass einer der wohl realistischsten Zukunftsfilme sein 30jähriges Jubiläum feierte: „Back to the Future“. Nebenbei bemerkt ein wunderbares Meisterwerk. Grund genug für zahlreiche Medien, die Visionen, die die Filmhelden Marty McFly und Doc Brown in Ihrem persönlichen „2015“ umgeben haben, auf stattgefundene Realisierung zu .

Den Gegenpol zu letztgenanntem Film, dessen Rezeption auch deswegen so positiv war, weil ein überwiegend optimistisches (utopisches) Zukunftsbild in Bezug auf technologischen Fortschritt gezeichnet wurde, bilden Dystopien.

Unzählige dieser Endzeitszenarien wurden in den letzten Jahrzehnten zu regelrechten Blockbustern im Kino. Die Lust am Grauen ist (aktuell) nun einmal groß – aber das ist wohl ein anderes, politisches Thema.

Von der absoluten Mutter aller düsteren Zukunftsvisionen „Metropolis“ (1927), über „RoboCop“, „Judge Dredd“ und „Terminator“ (80er und 90er) bis hin zu „Minority Report“, „Idiocracy“ und den „Tributen von Panem“ (2000er Jahre). Überall finden Sie (teilweise erschreckend) starke Bezüge zu sich entwickelnden Realitäten.

Die Macht der Immersion

Als ich kürzlich mit meinen Studierenden eine innovationsphilosophische Fragestellung diskutiert habe, kamen wir auf ein weiteres Filmbeispiel, das ich Ihnen nicht vorenthalten will. Auch dieses Beispiel könnte sich mit etwas düsterer Phantasie durchaus bewahrheiten und für Inspirationen im Lösungsraum sorgen. Aber dazu später mehr…

Den Anlass für das spezielle Gedankenexperiment gab ein Erlebnis, dass ich beim gemeinsamen Testen einer Virtual Reality Brille mit einem meiner älteren Kollegen aus Forschung und Lehre hatte. Beim Ausprobieren wurde recht schnell deutlich, dass die Immersionskraft – also das gefühlte Hineingezogenwerden in den künstlichen Erlebnisraum – einen weit höheren Grad aufweist, als dies noch bei den bekannten Spielen aus dem Konsolenzeitalter der 90er und 00er Jahre der Fall war.

Auch damals war es durchaus schon so, dass die – Medienkritiker wie Jean Baudrillard oder Paul Virilio würden sie als Extensionen oder Prothesen beschreiben – „Controller“ so sinnlos in eine Richtung gekrampft wurden, bis man das Gefühl hatte mit dem Rennwagen doch noch um die programmierte Ecke zu fahren.

Der Umgang mit der neuen, seit einiger Zeit käuflich erfahrbaren, virtuellen Realität nimmt den Nutzer aber tiefer mit. Tiefer in die Sphären des Digitalen. Das Immersionserlebnis meines Kollegen war beispielsweise derart stark, dass er sich schon nach wenigen Minuten gänzlich unbeobachtet fühlte. Und zwar auf jedem Kanal. Er fluchte, trat ungeniert durch die Gegend und keuchte nach Luft schnappend, ob der realen Anstrengung, die die Virtualität für ihn auslöste.

Interessant an der Stelle ist es zu bemerken, dass das intensive Immersionserlebnis selbstverständlich völlig neue Perspektiven für digitalisierte Geschäftsmodelle eröffnet. Überlegen Sie nur, welche Chancen und Margen sich zukünftig durch einmalig programmierte Erlebniswelten, die Auswirkungen auf den realen Körper haben, erzielen lassen. Allein die Tourismusbranche (oder jeder, der die Value Proposition „Erholung“ anbieten möchte) kann Erlebnisse offerieren, die direkt auf dem Sofa abgerufen werden können. Pay-per-Experience sozusagen.

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Es verwundert daher wenig, dass auch die Pornoindustrie im Zukunftsfeld kräftig mitmischt. 2025 sieht sie einen Markt für „Adult Content“ von . Dementsprechend hoch sind die aktuellen Investments, die zur Entwicklung und Optimierung aufgewendet werden. Schenkt man ersten Beispielen aus Japan Aufmerksamkeit, bei der Ganzkörperanzüge das Immersionsgefühl „vervollständigen“, ganz offenbar auf Unternehmens- und Test-User Seite. Zu finden im Übrigen auf YouTube.

Das Gedankenexperiment

Zurück zur Diskussion mit den Studierenden. Die Frage, die ich seinerzeit stellte, lautete:

Was machen wir eigentlich mit unserer Gesellschaft und allen Bevölkerungsteilen, die durch die Digitalisierung in einigen Jahren keine Beschäftigung mehr haben, weil ihr heutiger Job schlichtweg entfällt? Wie sieht für Sie die Welt 2037 aus?

Keine Frage, bei der Aufgabe wurde in Bezug auf die Digitalisierung durchaus schwarz gemalt (ein Umstand den ich persönlich normalerweise nicht vertrete), aber es sollte ja zu besonders kreativen Überlegungen anregen. Die Studierenden wurden in der Folge angeleitet, Hauptprobleme und möglichen Lösungsszenarien zu identifizieren.

Langeweile und das „sich-nicht-mehr-gebraucht-Fühlen“ wurden in dem Kontext als soziale Kernthemen erkannt, ebenso wie die Problematik abnehmender Kaufkraft durch die vermeintliche Erhöhung von Arbeitslosigkeit. Gerade aus der Konsequenz „Langeweile“ heraus, sahen die Studierenden zusätzlich das zunehmende Risiko von ungewünschtem Verhalten und steigender Kriminalität.

Als erste, eher Symptom-bekämpfende Maßnahme, wurde im nächsten Schritt des kreativen Problemlösungsprozesses das Thema bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert. Und obwohl dieses Experiment z.B. in recht aktuell ist, war die deutlich positive Einstellung gegenüber derartiger, sozialer Leistungen doch überraschend. Im weiteren Verlauf durchdachten die Studierenden umfangreich Jobbeschreibungen (in der Kreativitätskurve das klassische Tal der Ratlosigkeit), bis wir zum Ende hin auf schöpferisch neue Gedanken kamen.

Gesellschaftliche Dystopie der digitalisierten Welt

Was, wenn 2037 ein Teil der Bevölkerung zwar physisch noch unter uns, mental aber in einer parallelen, virtuellen Realität leben könnte. Gebraucht, glücklich und dabei für die echte Welt „risikoreduziert“. Wäre das keine Lösung? Gruselige Vorstellung – zugegeben – aber ob sie tatsächlich so abwegig ist?

Machen wir uns den „Spaß“ und tauchen erneut in die Welt der Science Fiction ein. Erinnern Sie sich noch an den Film „The Matrix“? Würde es ein Prequel, also einen Vorgänger zur Triologie geben, wären dort eventuell die Gründe für die Entstehung der Matrix dargelegt und auch, warum sich ganze Bevölkerungsgruppen lieber von der perfekten Programmierung besäuseln lassen, als sich für die rote Pille zu entscheiden.

„You take the blue pill – the story ends, you wake up in your bed and believe whatever you want to believe. You take the red pill – you stay in Wonderland and I show you how deep the rabbit-hole goes“. Protagonist Morpheus zu Protagonist Neo in der spezifischen Filmszene.

Die blaue Pille bekämpft die Problematik der sich ergebenden Konsequenzen aus der Digitalisierung also eventuell umfangreicher und verlockender. Wir erinnern uns: Arbeitslosigkeit, sinkende Kaufkraft, Langeweile. Alles passé, alle Probleme schlicht wegprogrammiert. Eventuell ist dies ja tatsächlich eine Entscheidung, die wir irgendwann einmal zu treffen haben.

William Gibson beschreibt in seiner Romantrilogie Neuromancer, wie sich in der neuen Zeit die Objekt-Subjekt Dialektik fortschreitend einer Umkehrung nähert. Der Controller (in dem Fall die VR Brille) ist nicht mehr Prothese und Verlängerung des menschlichen Armes, sondern vielmehr die Ausdehnung der Maschine auf den Körper (vgl. auch Bühl 2000, S. 377).

In der sehr dystopischen Konsequenz von „The Matrix“ heißt das: die Maschine oder die Matrix hält sich über die Menschheit am Leben. Geboren um „angestöpselt“ zu werden und ein „glückliches“ Leben in der Virtualität zu führen. Ich persönlich würde begrüßen wenn wir niemals soweit kommen, aber vollkommen unmöglich erscheint es mir nicht.

Stellt sich nun noch die Frage, wer in so einem Szenario entscheidet, wer in welcher Welt leben darf und ob es immer einen Weg zurück gibt wenn man sich einmal entschieden hat? Aber das sind Fragen die Sie blendend bei einem Kaffee mit interessanten Gesprächspartnern vertiefen können – eventuell ist dies ja die richtige Anfangsinspiration für eine tolle Diskussion.

Science Fiction als wertvoller Innovationstreiber

Sie mögen sich zum Ende fragen was Sie aus dem vorliegenden Text lernen können. Nun ja, die Frage lässt sich recht einfach beantworten. Die technologischen Entwicklungen, die wir heute erleben, determinieren unsere Zukunft. Science Fiction gibt uns bereits jetzt Denkanstöße, was in noch fernerer Zukunft auf uns warten mag. Gerade in Zeiten in denen Sie sich um die Umgestaltung Ihrer Geschäftsmodelle im Zuge von Digitalisierung Gedanken machen, sollten Sie sich offen zeigen für Denkanstöße, die Sie in Denktiefen führen, in denen „nie ein Mensch zu vor gewesen ist“.

Und Offenheit, Kreativität und Neugierde sind dabei Ihre Hebel für echte Innovationsfähigkeit.

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Über den Autor

Prof. Dr. Nicolas Burkhardt

Prof. Dr. Nicolas Burkhardt ist Management Berater, Autor, Keynote Speaker und B2B Influencer zu den Themen Strategie, Transformation, Innovation & Digitalisierung. Er studierte in Deutschland, Island, der Schweiz und England mit Abschlüssen in Kommunikation, Medien, Fi-nanzökonomie und General Management. Während seiner über 10jährigen Tätigkeit in der Industrie verantwortete er internationale Transformations- und Innovationsprojekte.

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