Smart Payments – Die Weichen sind gestellt

Neue Technologien verändern das Bezahlverhalten

Instant Payments, offene Schnittstellen, Proxy-Services und neuartige Authentifizierungsmechanismen werden den (Massen-)Zahlungsverkehr komplett verändern. Zahlungen werden „smart“!

Smart Payments

Neue Technologien verändern das Bezahlverhalten und ermöglichen Smart Payments.

Jeder, der die Zeitung aufschlägt, die Fernsehwerbung anschaut oder im Internet unterwegs ist, kommt nicht umhin, irgendetwas „Smartem“ zu begegnen. Von Smart Home über Smart Car zu Smart Textiles werden nicht nur die Dinge, die uns direkt umgeben „schlau, gewitzt, oder klug“. Auch von Smart Farming, Smart Cities sogar Smart Church ist jetzt schon die Rede. Das Ganze gipfelt in „Smart Knowledge“, das uns im Zusammenhang mit der maschinellen Analyse unstrukturierter Datenmengen aus verschiedensten Quellen – Text, Bild und Ton – begegnet.

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Nun also auch Smart Payments?!

Drei Faktoren bestimmen Smart Payments

Unter Smart Payments werden schnelle, einfache, sichere Zahlungen verstanden, die bestmöglich an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst und in deren Alltag integriert sind. Das Bezahlen erfolgt einfach im Vorbeigehen, „invisible, seamless, handsfree“.

Dabei geht es um drei Dinge, die eng miteinander verwoben sind und die weitere Entwicklung des Zahlungsverkehrs beeinflussen:

  1. Daten,
  2. Wettbewerb und
  3. Prozesse.

1. Daten sind Rohdiamanten des digitalen Zeitalters

Daten gelten als Rohdiamanten des digitalen Zeitalters. Große Mengen werden laufend gesammelt und analysiert, um Prozesse zu optimieren und Leistungen zu personalisieren. Amazon, Google, Facebook & Co. beherrschen dies nahezu perfekt. Auch bedeutende chinesische Internet-Plattformen wie Alibaba mit Alipay oder Tencent mit WeChat nutzen die umfassenden Möglichkeiten der Digitalisierung. Allerdings wird insbesondere in Deutschland der Schutz der persönlichen Daten als wichtiger Faktor für die Akzeptanz von Innovationen angesehen.

2. Vielzahl von Lösungen und Anbietern sorgt für zunehmenden Wettbewerb

Der zweite Faktor ist der Wettbewerb. So wächst auf der einen Seite die Anzahl konkurrierender Zahlungslösungen und -anbieter, gefördert durch die regulierte Öffnung von standardisierten Schnittstellen, den APIs, zum Konto. Dagegen steht auf der anderen Seite die Neigung zur Konzentration, zum Monopol in Zahlungsnetzwerken.

3. Veränderung von Prozessen im Zahlungsverkehr

Der dritte Aspekt ist die Veränderung von Prozessen im Zahlungsverkehr. Diese werden komplett digitalisiert und dadurch beschleunigt, individualisiert und integriert. Durch die Einführung von Echtzeitzahlungen müssen viele Prozesse zum Teil völlig neu strukturiert werden.

Smartphones ermöglichen Smart Payments

Im Zentrum von Smart Payments-Anwendungen steht – wie könnte es anders sein – das Smartphone. In Deutschland besitzen etwa 43 Mio. Menschen ein Smartphone. Viele haben es rund um die Uhr dabei. Warum sollte es nicht auch häufiger zum Bezahlen eingesetzt werden, ob im stationären Handel oder bei P2P-Zahlungen? Es erlaubt

  • verschiedenste Technologien der Übertragung von Transaktionsdaten wie NFC, QR, Bar Codes etc.
  • die Speicherung von Zahlungsmitteldaten in digitalen Brieftaschen (Digital Wallets) und
  • die Kombination unterschiedlicher Authentifizierungsmechanismen, zum Beispiel biometrischer.

Damit Käufer zu einem neuen Zahlungsmittel wechseln, sollten diese einen Zusatznutzen gegenüber den bekannten Instrumenten bieten. Außerdem müssen sowohl Zahler als auch Zahlungsempfänger gleichzeitig überzeugt werden, die neue Methode zu nutzen bzw. anzubieten. Die Netzwerkgröße ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg, birgt aber auch die Gefahr der Monopolbildung.

P2P-Überweisungen

P2P-Payments gelten als wichtiges Teilelement zur Durchsetzung von Mobile Payment

Gute Chancen für kontaktloses Bezahlen

Das Bezahlverhalten ändert sich nur langsam. Vor rund zehn Jahren dominierte Bargeld ganz klar das Bezahlen im Geschäft. Kartenzahlungen machten etwa 18 Prozent des Umsatzes im Handel aus. Heute hat sich deren Anteil auf 36 Prozent verdoppelt. Und fast die Hälfte des Umsatzes, nämlich 181 Milliarden Euro, wird mit einer Karte bezahlt. Zumeist mit der girocard.

Käufer und Händler haben sich in den vergangenen 20 Jahren an Kartenzahlungen gewöhnt. Es spricht viel dafür, dass der Umstieg auf kontaktlose Zahlungen mit der Karte nicht so lange dauert. Die Vorteile sind offenkundig: Die Karte muss nicht aus der Hand gegeben werden, und eine Kartenzahlung dauert nach Messungen der EURO Kartensysteme kontaktlos etwa nur halb so lang wie bisher.

Letzte Hindernisse für eine flächendeckende Nutzung des Verfahrens werden gerade beseitigt. Alle Händler sollen bis Ende 2018 ihre Terminals auf NFC-Technologie umgerüstet haben. Bis Ende dieses Jahres sollen bereits 33 Millionen. kontaktlose girocards ausgegeben worden sein.

Die Kreditwirtschaft plant bis Ende 2019, 75 Prozent der girocards mit einem NFC-Chip auszustatten. Genossenschaftsbanken und Sparkassen zeigen sich als Vorreiter. Damit kontaktloses Bezahlen bald zur Normalität wird, wäre es wünschenswert, wenn bald alle girocard-Inhaber darüber verfügen könnten.

Der nächste Schritt: Mobiles Bezahlen im stationären Handel

Der nächste Schritt – von der kontaktlosen Karte zum kontaktlosen Bezahlen mit dem Mobiltelefon – ist damit in Reichweite. Konsequenterweise arbeitet die Kreditwirtschaft daran, die girocard ins Smartphone zu bringen. Das Pilotprojekt dazu wurde erfolgreich abgeschlossen. Sparkassen und Genossenschaftsbanken wollen mobile girocard-Zahlungen ab Mitte 2018 flächendeckend ermöglichen. Zusätzliche Änderungen an der Terminal-Infrastruktur sind dafür nicht mehr notwendig.

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Grundsätzlich wird der Erfolg der girocard im Smartphone davon abhängen, wie attraktiv die Anwendung, also wie „smart“ der Zahlungsvorgang im eingangs beschriebenen Sinne ist. Konkret: Welchen Zusatznutzen bietet die girocard mobile gegenüber anderen, bekannten Zahlungsmitteln? Und hält sie dem Vergleich mit alternativen Bezahl-Apps stand?

Verbraucher bevorzugen einheitliche Lösungen

Nicht nur Publikums- und Whitelabel-Banken bieten eigene Payment-Lösungen an, sondern auch einige Handelsketten, ein bekanntes Bonussystem und nicht zuletzt PayPal. Der Wettbewerb und damit die Fragmentierung des Marktes nehmen zu. Verbraucher hingegen bevorzugen mehrheitlich flächendeckende, einheitliche Lösungen analog etwa zur Kartenzahlung. Wer will schon acht verschiedene Bezahl-Apps auf seinem Handy?

Fraglich bleibt, welches Verfahren sich angesichts der neuen Vielfalt an der Kasse durchsetzen wird. Hier könnte die girocard mobile punkten: In ihrer physischen Form ist sie bekannt und breit akzeptiert. Zudem vertrauen die Konsumenten am meisten ihrer Bank bzw. Sparkasse als Anbieter mobiler Zahlverfahren. Diese laufen sicher ab und es werden nur wenige Daten gesammelt. Es gilt daher für die Kreditwirtschaft, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam an nur einem Strang zu ziehen.

Neue Bezahlverfahren: Vom E- zum M-Commerce

Im Onlinehandel haben sich dagegen alternative Bezahlverfahren schon länger etabliert. Mehr als ein Viertel aller Bestellungen werden aktuell per PayPal, giropay oder Sofortüberweisung bezahlt. Hier sind bereits erste Konzentrationseffekte auf den führenden Dienst erkennbar.

Dagegen hat vor einiger Zeit die deutsche Kreditwirtschaft mit paydirekt ein eigenes Verfahren auf die Beine gestellt. Der Ansatz, per Benutzerkennung und Passwort direkt, ohne Zwischenkonto, vom eigenen Girokonto zu bezahlen, erscheint reizvoll und könnte dazu beitragen, die Bindung der Kunden an ihr Kreditinstitut zu stärken.

Aber es ist keine Zeit zu verlieren. Schnelles, gemeinsames Handeln ist angesagt. Denn zwei Jahre nach dem Start von paydirekt gehen in dem ohnehin hart umkämpften Markt neue starke Mitbewerber an den Start: „pay with google“ soll nun auch den Onlinehändlern angeboten werden.

PSD2 verändert den Zahlungsverkehr

Gemäß der zweiten Zahlungsdiensterichtlinie, PSD2, sollen künftig alle Zahlungsauslösedienste über eine standardisierte Schnittstelle, eine API, auf die für die Zahlung notwendigen Kontodaten des Zahlers beim kontoführenden Institut zugreifen können. Die Berlin Group hat kürzlich einen Standard für eine solche Schnittstelle zur Konsultation gestellt.

PSD2: Herausforderung für Finanzdienstleister

Die Umsetzung von PSD2 ist eine Herausforderung für Finanzdienstleister.

Derzeit wird darum gerungen, was unter „notwendigen“ Daten zu verstehen ist. Das Interesse der Kunden scheint dabei dem einen oder anderen etwas aus dem Blick zu geraten. Bei vielen Menschen nimmt die Verunsicherung darüber zu, wer persönliche Daten von ihnen besitzt, analysiert und weiter gibt. Hier gilt es, eine ausgewogene Lösung zu finden, die letztlich dem Verbraucher Klarheit gibt, wer seine Daten wie verwendet.

Mobile Shopping verändert das Bezahlen

Internetkäufe erfolgen zunehmend über mobile Geräte. Bereits heute gehen ein Viertel der Bestellungen über Smartphone und Tablet ein. Niemand möchte auf einem 5×9 cm großen Bildschirm eine IBAN oder die Kreditkartendaten eintippen. Da greifen Nutzer gern auf voreingestellte Zahlungswege im Express-Check Out zurück. Das könnte Monopolisierungstendenzen weiter verstärken.

Bequeme alternative Lösungen für mobiles Bezahlen sind daher mehr denn je gefragt. Dabei verschmelzen die bisher getrennten Kanäle: Das Smartphone kann im Laden ebenso zum Bezahlen eingesetzt werden wie beim mobilen Einkaufen oder bei P2P-Zahlungen.

Neue Perspektiven durch Instant Payments

Noch aber fehlt ein entscheidendes Element für Smart Payments. Egal welcher Zugangsweg heute für eine Zahlung genutzt wird – sei es eine App, ein Zahlungsauslösedienst oder ein P2P-Payment – immer vergehen zwischen Initiierung und tatsächlicher Buchung zumindest mehrere Stunden. Zwar gibt es einige Dienste, die das Geld sofort zur Verfügung stellen, aber dies funktioniert nur in geschlossenen Kreisläufen oder mit Garantiekonstruktionen.

Instant Payments sollen diese Lücke schließen. Das „Just-in-Time“-Prinzip würde damit in der gesamten Prozesskette verankert. Die Marktteilnehmer können Liquiditätsreserven besser ausschöpfen. Zahlungen ließen sich reibungsloser in Kauf- bzw. Lieferprozesse einfügen.

Die Vorbereitungen für ein europäisches Echtzeitzahlungssystem sind daher in vollem Gange. Instant Payments werden den europäischen Zahlungsverkehr auf ein neues Qualitätsniveau heben. In Verbindung mit Apps oder anderen geeigneten Anwendungen, sowohl für das geschäftliche Umfeld als auch für private Zwecke, könnte das digitale „smarte“ Bezahlen einen echten Schub erhalten.

Kundenbedarf bietet Chancen für Banken

Die Anbieter von Zahlungsdiensten müssen nun die richtigen Anwendungen, Apps und andere geeignete Lösungen auf den Weg zu bringen. In Verbindung mit einfachen, sicheren, eventuell biometrischen Authentifizierungsverfahren und leicht bedienbaren Apps könnte mobilen Zahlungen dann der Durchbruch gelingen.

Dabei muss dem Wunsch der Zahler nach Kontrolle über ihre Daten und Ausgaben Rechnung getragen werden. Außerdem wollen die Kunden mehrheitlich ihre Zahlungen selbst freigeben und dies nicht einem Programm überlassen. Sofern diese Voraussetzungen erfüllt und die Konsumenten überzeugt sind, werden Smart Instant Payments sehr bald Realität sein.

Banken können mit Datenschutz und Cybersicherheit punkten. Abgesicherte Zugänge von Konto-zu-Konto über APIs in Verbindung mit einer bequem zu bedienenden Oberfläche könnten die durchgängig digitale Abwicklung von Geschäftsprozessen erleichtern. Sofern sie die Entwicklung nutzen, kann es Ihnen gelingen, wieder näher an die Kunden auf beiden Seiten des Marktes zu rücken und das Konto wieder ins Zentrum der Kundenbeziehung zu stellen.

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Über den Autor

Carl-Ludwig Thiele

Carl-Ludwig Thiele ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. Er ist für die Zentralbereiche Bargeld, Controlling, Rechnungswesen und Organisation sowie Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme zuständig. Von 1990 bis zu seinem Wechsel zur Bundesbank im Jahr 2010 gehörte der Jurist dem Bundestag an, war dort zunächst Mitglied im Haushaltsausschuss, danach im Finanzausschuss. Zudem war er 16 Jahre lang Mitglied des Vermittlungsausschusses. Von 2002 bis 2010 war Thiele stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion.

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